Biografisches

geboren 1947 in Seitenstetten in Niederösterreich; 1948 Umzug nach St. Valentin; 1957–1963 Gymnasium Linz; 1964–1967 Ausbildung als Modelltischler, Steyrwerke, Steyr; 1964 Beginn der künstlerischen Arbeiten; 1967–1969 (eigene) Galerie Pfarrgasse Steyr; 1969–2000 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Österreich und international; 1970–1995–2005 Reisen zur Kunst nach Nordeuropa, Amerika, Afrika, Indien, Japan. Seit 1967 freischaffender Künstler, lebt und arbeitet seit 1995 in Zöbing/Langenlois.

Wolfgang Denk / Wie kam ich dazu, Maler zu werden?*

Versuch einer biografischen Detailskizze.

Es müßte etwas geben, um mehr sagen zu können, um mehr über sich zu erfahren. A-4 Blätter mit wilden Phantasien bekritzeln, bemalen – Zeichnen als Schutzwall gegen die Umwelt – uns trotz wohlgemeinter Ermahnung waren die Nächte eher zum Lesen als zum Schlafen da… Paul Klee, Wassily Kandinsky, Joan Miró, Piet Mondrian, Willy Baumeister, Max Ernst, Paul Cézanne, Jean Dubuffet, Kurt Schwitters, Sitting Bull, die Mayas, Inkas, Nazca, Cheyenne, die alten Meister der europäischen Malerei, Südamerika, Nordamerika, Hermann Hesse, Herbert Tichy, Thor Heyerdahl, Gizeh, Teotihuacan, die germanischen Götter, die keltische Sagenwelt, Mykenä, Catal Hüyük etc. etc. waren gute Bekannte, papierene Freunde, eine Welt im Kopf, die danach drängte, von mir in der Wirklichkeit gesucht zu werden. Gefühle eines unüberbrückbaren Zwiespaltes zwischen Innen- und Außenwelt (Steyer-Werke – Modelltischler – erste Anfänge – Rückblick – Vorausschau).
Früher, als ich noch mit Großmutter in St. Peter – Seitenstetten… (Bahnhof – entlang der Url – Brücke) – war… Rückkehr zu meinem Geburtshaus… Schmalzbrot essen… in der Holz- und Wagenhütte herumkramen… Gebell der diversen Hofhunde… mit meiner Cousine am Puchroller und Fischen im Urlbach… bloßfüßig über die eigenartig geformten Steine… um 5 Uhr früh aus dem Bett (müssen)… beim Schwingen der Sense… und Einbringen des taufrischen Grases dabeisein (Geruch)… Ernten… die Pferde am Zügel führen und mit Zweigen die lästigen „Bremsen“ und Fliegen verjagen… da war (war da?) eine totale Offenheit noch möglich?
Der Umzug meiner Eltern – biede Lehrer – hatte vieles verändert – St. Valentin (und letztlich wurden es fast 20 Jahre, daß ich dort lebte). Ein Freund verglich es in einem Gedicht mit einer geplatzten Wurs(ch)t – ein Dorf – zehntausend Einwohner – die teilweise ihre Zeit damit verbringen, in Linz in Schulen bzw. in Steyr zur Arbeit zu gehen (oder umgekehrt). (Westbahn, Franz Josefsbahn oder Steyrerbahn).
Wieviele Bücher habe ich in fahrenden Waggons gelesen?
Aber auch phantastische Reisen waren möglich. Der Wohnzimmertisch wurde mit Decken zu einem Hausboot verwandelt, mit meinem Bruder treib ich dann gemeinsam den ungeheuren Amazonas hinunter. (Peter, er studierte Musik und zeigte mir dadurch neue Möglichkeiten).
So begann ich 1965 einen Weg… einen Weg, von dem ich manchmal glaube, daß er bereits ein Ziel sei. Aber er führt immer weiter.

* In: Wolfgang Denk, Ausstellungskatalog, hg. von NöArt Galerie,
Künstlerhaus, 1981, o.p.

Doppelgesichtige Kunstmethode, 1982
Mischtechnik, Aquarell, Bleistift auf Papier
50 x 36 cm, Atelier Denk

Eine doppelgesichtige Kunstmethode*

Wolfgang Denk

 

Es erscheint ganz einleuchtend: Die alten Avantgarde-ldeen, mit ihrem fortschrittskonformen, kämpferischen Vokabular, scheinen totgelaufen. Nach den dramatischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts kommt die Erkenntnis, dass mit dem ultimativen, atomaren Katastrophenpotential eine einschneidende Zeitenwende ins moderne Bewusstsein getreten ist, die martialische und brutalisierende Attitüden im Kunstschaffen praktisch verbietet. Analytischer Definitionszwang und die verzweifelte Originalitätssuche dürften mehr ein Fluchtverhalten vor den Unvertäglichkeiten der Zeit sein, als ein Versuch, sich den Problemen zu stellen. Ein föhlichlustvolles Nichthinausschauen über die Grenzen des Kunstbetriebes ist ein vielleicht durchaus verständlicher, aber kurzatmiger Hang zur ldylle.

Dabei erlebt die Kunst in dieser gegenwärtigen Situation keineswegs eine Stagnation – im Gegenteil. Es tun sich faszinierende Möglichkeiten auf. Keine Ideologien sind dazu nötig, da die wirklich wichtigen Lebensfragen, die Abenteuer der Existenz, gerade ohne solche anzugehen sind. Nicht neue Konfessionen, sondern eine offene, bewusste Wahrnehmung bestimmt eine heute mögliche Kunstsicht.
Es geht um das Ethos der Kunst, eine Moralität ohne vorgegebene Leitsätze, aber in Bewusstheit des historisch absolut singulären Zustandes einer möglichen Weltvernichtung. Ob eine immer größere Geschwindigkeit und Hektik des Kunstbetriebs dazu passende Antworten liefern kann, ist mehr als zweifelhaft. Gelassenheit ist eher gefragt.

Die Kunst nimmt ja einen bevorzugten Platz zwischen Religionen und Wissenschaften ein. Ihr muss nicht geglaubt werden, sie bedarf keiner Beweise.

Der Künstler kann in diverse Masken schlüpfen. Als geistesgegenwärtiger Erforscher anthropologischer oder historischer Tatbestände, als spielerischer Mathematiker oder Fachmann neuester Kommunikationssysteme bleibt er doch hauptsächlich ein Darsteller seines eigenen Wesens, seiner bewussten und unbewussten Erfahrungen, und kann als solcher direkt verstanden werden. Er braucht dazu auch nicht jene Form von Konsequenz, die sein Werk auf einen allzu glatten Wiedererkennungseffekt festlegt oder zumindest ein gesellschaftskonformes Verhalten signalisiert. (Illustrative Innovation in westlich schicker Freiheit und anschließende Etablierung als verlässlich keimfreier Markenartikel.)

Wichtig ist eine Synthese aus Ahnung und Wissen, die spürt, was zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich oder zwingend ist. Lebendige Kunst bietet aber keine trügerischen Sicherheiten.

* In: Wolfgang Denk: Malerei, hg. Niederösterreich-Gesellschaft für Kunst und Kultur, Galerie Lang, Wien 1987, o.p.

WOLFGANG DENK – Eine Werkmonographie

Buchpräsentation in der Kunsthalle Krems und im Museum Mistelbach 2019

artedition / Verlag Bibliothek der Provinz, 2018

Buchpräsentation WOLFGANG DENK/Eine Werkmonographie, in der Kunsthalle Krems, Wolfgang Denk, Martha Denk

Joachim und Fritzi Rössl, Klaus Bergmaier, Margit Zeininger, Florian Steininger, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Christiane Krejs, Manfred Kopriva, Judith Kithara, Martin Denk

Wolfgang Denk und Carl Aigner im Gespräch

Wolfgang Denk und Carl Aigner im Gespräch

Buchpräsentation WOLFGANG DENK/Eine Werkmonographie, Nitsch Museum Mistelbach
v. l. n. r.: Hermann Nitsch, Wolfgang Denk, Carl Aigner, Erwin Wögenstein, Totoola Olosun Egbebi

v. l. n. r.: MAMUZ-Geschäftsführer Peter Fritz, Helga Pils, Verlagsleiter Richard Pils, Carl Aigner

v. l. n. r.: Peter Fritz, Kulturstadtrat Klaus Frank , Martha Denk , Hermann Nitsch, Wolfgang Denk, Carl Aigner