Wolfgang Denk – Kunst. Abenteuer. Ursprung.*

Elisabeth Vera Rathenböck

 

Der Heiligenstein bei Zöbing ist ein Bergrücken, an dessen Sohle sich der Kamp, der längste Fluss im Waldviertel, schlängelt. Bereits im Mittelalter wurde an den Südhängen Weinbau betrieben. Heute wacht die Kamptalwarte über die besten Riesling-Lagen, in denen das würzige Aroma der Sorte Wein schon in der Luft zu liegen scheint. Das Wohnhaus von Wolfgang und Martha Denk ist Teil dieser mediterran gestimmten Landschaft, seine Grundmauern wurden schon vor 200 Jahren erbaut. Sie renovierten den ehemaligen Heurigen nach eigenen Entwürfen: „Wir verwendeten viele Fundstücke“, erinnert sich der Künstler. Alte Glasfenster oder eine Tür, die beim Umbau der Kunsthalle Krems im Container gelandet war, bekamen einen neuen Platz. Der Heuboden verwandelte sich in ein helles, lichtdurchflutetes Atelier. Ein Ruhepol, in dem der Künstler das findet, was er als Kind liebte: „Ich bin auf einem Bauernhof in Seitenstetten aufgewachsen. Meine Karriere verlief dann lange im städtischen Umfeld, aber irgendwann wollte ich die Nähe zur Natur wiederhaben.“ Als Museumsgründer schrieb Denk ein Stück Kunstgeschichte in Österreich mit. Über 40 Jahre war und ist er als Ausstellungsmacher tätig. Von 1990 bis 1997 positionierte er als Gründungsdirektor die Kunsthalle Krems im internationalen Kontext. Ein signifikantes Zeichen seiner „Handschrift“: „Alle Künstlerinnen und Künstler waren bei den Vernissagen jeweils persönlich anwesend, darauf habe ich stets bestanden“, erinnert er sich. Er initiierte das Hermann Nitsch Museum in Mistelbach und Susanne Wenger, die als Künstlerin, Priesterin und Abenteurerin zur Legende geworden ist, wäre ohne ihn wenig dokumentiert. Er erinnert sich: „Ein Freund war damals als Handelsdelegierter in Nigeria tätig und ich wollte ihn besuchen. Ich entdeckte, dass ja Susanne Wenger ebenfalls dort war.“ Um sich die Reise zu finanzieren, suchte er um einen Zuschuss beim Bundesministerium an, den er nur bekam, wenn er Wenger zu einer Ausstellung in Österreich überreden würde. Was damals gelang, nämlich ein gegenseitiges Verstehen sowie eben eine Ausstellung, mündete in das Begleiten der faszinierenden Persönlichkeit über viele Jahre hinweg. Als Nachklang dieser Freundschaft gilt die Gründung der „Susanne Wenger Foundation“ im Jahr 2011, die heute der Kunstmeile Krems eingegliedert ist. Als Künstler ist Wolfgang Denk ein Einzelgänger. Sein Interesse an außereuropäischen Kulturen wird von der Suche nach Mythen beflügelt, also nach einer Vorstellungswelt abseits der sichtbaren Wirklichkeit. Er bereiste Zentren prähistorischer Dolmen- und Megalithkulturen. Die Eindrücke fanden ihren Niederschlag etwa in Graphik- und Gemälde-Zyklen. Ab 1984 vertiefte er sich in die Kultur der Yoruba in Nigeria. Er beteiligte sich an Ritualen, erlebte Schamanismus und ließ sich von der Ursprünglichkeit faszinieren. Aber auch zeithistorische Strömungen wie etwa die Wiener geometrische Moderne oder der Aktionismus beeinflussten ihn. Die Kunst bietet sich ihm als Spielfeld an, um teleologische Prozesse zu erweitern, sodass Träume, Erinnerungen und Zustände des Unterbewusstseins Eingang finden. Objekte, Gemälde und Installationen drücken eine Energie aus, die an existenzielle Erfahrungen im Spannungsfeld von Werden, Vergehen und Erneuerung rührt. In aktuellen Arbeiten ist das Wechselspiel zwischen archaischem Erbe und moderner Formenwelt noch einmal vertieft. Der Schaffensprozess, der als Spurensicherung des Handelns im Jetzt angelegt ist, manifestiert sich im Werk und geht in Zeitenthobenheit über.

* Der Text wurde erstmals veröffentlicht in der Publikation: KünstlerInnen im Waldviertel,
Steinverlag, Bad Traunstein, 2017, S. 29 ff.

Elisabeth Vera Rathenböck
Photo: Reinhard Winkler

Wolfgang und Martha Denk, WINDGATE, ein mythisches Projekt nahe dem „Eisernen Vorhang“ beim Symposion „Grenzzeichen“ in Hörmanns NÖ,1980, Photo: Denk